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Nachbarschaft ist kein Fertiggericht: Eine Wundertüte für den Kiez

Er kommt früh, sitzt mit mir in der Sonne und erzählt, dass er Briefträger war in Altona-Altstadt, rund um die Thadenstraße. 20 Jahre hat er nicht nur die Post ausgetragen, sondern auch Pakete mitgenommen oder mal eingekauft. Manchmal war der Mittagstisch gedeckt, wenn er kam. „Man kannte sich eben und half sich“, sagt er, „heute ist alles anders.“

Ich möchte mehr hören über das Leben in diesem Quartier hinter dem neuen Pferdemarkt, aber jetzt strömen die Menschen zum ersten Nachbarschaftstreffen. „ZusammenWir! – Quartiere gemeinsam gestalten“, heißt unsere Initiative. Gemeinsam statt einsam, sich stark machen für mehr Miteinander vor Ort, das ist für mich kreative Nächstenliebe. Was früher selbstverständlich war, braucht heute neue Orte, an denen man sich zusammentut, Ideen entwickelt und Leben teilt. Die Reise ins „Wir-Land“ beginnt mit sinnfälliger Wegzehrung in einer Wundertüte: Darin ein kleines Herz für den Mut, mit Herz dabei zu sein, ein Skizzenbüchlein zum Festhalten eigener Ideen und Samen zum Aussähen, weil alles klein beginnt. Dazu ein Merksatz in Rot: Gute Nachbarschaft ist kein Fertiggericht! Dann sprudeln die Ideen. Gemeinsam tanzen, ein Sommerfest veranstalten, einen Kräutergarten anlegen, Theaterbesuche organisieren, ein Café als Treffpunkt gestalten, freies Wlan, ein Computerkurs und Vieles mehr. Spürbar ist die Lust, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Die Ideen sind, passend zur Jahreszeit, wie Samen im Frühbeet. Sie brauchen Zeit und Raum zum Wachsen und das Bewusstsein, dass kein Gärtner vom Himmel fällt, sondern wir zusammen sie hegen und pflegen müssen. Ein monatliches Nachbarschaftsfrühstück wird ins Leben gerufen. Der Bezirk unterstützt das entstehende Netzwerk mit einer Regionalen Bildungskonferenz. Was schon jetzt zu blühen beginnt, ist der Chor „älter & besser“. Donnerstags um 15.30 sind neue Stimmen herzlich willkommen (Bernstorffstraße 145 neben dem Café Schneckenhaus)! Ein Chor ist ein schönes Bild für eine starke Gemeinschaft, in der jede Stimme zählt. Nicht nur für Ältere wird es immer wichtiger, sich im eigenen Kiez zu verbünden und im Miteinander zu beheimaten.